Suche nach Nachwuchs ist längst Chefsache

Renato und Fabienne, Klartext

Die katholische Kirche hat Mühe, geeigneten Nachwuchs zu finden – obwohl kirchliche Berufe abwechslungsreich und erfüllend sind. In Social-Media-Videos der Kampagne «Chance Kirchenberufe» sprechen junge Seelsorgende und Bischöfe über ihren Alltag, aber auch über die Schattenseiten des Berufes und der katholischen Kirche.

 

Ein vielseitiger Alltag, die bereichernde Arbeit mit Menschen, viel Gestaltungsfreiraum und Sinnhaftigkeit: Diese positiven Merkmale nennen Menschen, die einen kirchlichen Beruf ausüben, wenn man sie nach ihrem Arbeitsalltag fragt. So sagt zum Beispiel Fabienne Eichmann, Pfarreiseelsorgerin in Luzern: «Ich mache in meinem Beruf das, was ich gerne mache: Menschen begleiten, Feste und Feiern organisieren, Fragen stellen über Gott und die Welt.» Und auch Joël Eschmann bezeichnet seinen Alltag als Priester in Bern als sehr erfüllend: «Die Arbeit mit anderen Menschen ist einfach mega cool.»

 

Trotz der Begeisterung von Seelsorgenden: Die katholische Kirche tut sich seit Jahren schwer damit, Nachwuchs zu finden. Die Gründe dafür sind vielfältig: Zum einen erscheinen vorwiegend die negativen Schlagzeilen über die Institution Kirche. Andererseits weiss die Öffentlichkeit immer noch zu wenig über die verschiedenen Berufe der katholischen Kirche und ihre Möglichkeiten. Die Kampagne «Chance Kirchenberufe» hält dem entgegen und stellt in verschiedenen Aktionen, an Anlässen und auf ihrer Webseite die Vielseitigkeit und Sinnhaftigkeit der kirchlichen Berufe vor.

Es ist sehr wichtig, das Wirken in und für die Kirche ehrlich darzustellen. Deshalb setzt «Chance Kirchenberufe» in der aktuellen Kampagne auf das Konzept «Jetzt mal Klartext». In Videos, die in einem angedeuteten Beichtstuhl gefilmt wurden, fühlen die beiden Kunstschaffenden Lisa Christ und Renato Kaiser Seelsorgenden wie Fabienne und Joël auf den Zahn und sprechen mit ihnen auch für die Schattenseiten des Berufs – und über das zum Teil schlechte Image von kirchlichen Berufen.

 

Zweifel gehören dazu
Aber nicht nur Seelsorgende, auch die Kirchenoberen stehen in einem «Klartext»-Video für «Chance Kirchenberufe» Red und Antwort und sagen, was für sie ihre Arbeit bedeutet und warum jemand für die Kirche arbeiten soll. Die Kirche biete «ein Milieu, in dem man sehr frei ist», sagt Bischof Felix Gmür. Bischof Joseph M. Bonnemain pflichtet ihm bei: «Man kommt in Kontakt mit den verschiedensten Menschen. Das ermöglicht einem, zu wachsen und sich weiterzuentwickeln.»

Die Begeisterung für ihren Beruf ist den beiden Bischöfen und dem Einsiedler Abt Urban Federer im Video anzumerken. Dennoch gehörten Zweifel in ihrem Beruf dazu, sind sich die drei einig. «Wenn jemand keine Zweifel hat, ist er sehr verdächtig», sagt Bischof Bonnemain. An einem kirchlichen Beruf Interessierte sollen sich von den Strukturen nicht abschrecken lassen, rät Bischof Bonnemain. Zum Thema Geschlechtergleichheit verweist er auf Mutter Teresa von Kalkutta. «Sie hat mehr zustande gebracht in der Welt als viele Bischöfe, Aber sie hat sich nicht die Frage gestellt: Warum kann ich nicht Bischof werden? Stattdessen hat sie sich uneingeschränkt eingesetzt und die Welt bewegt. Ich glaube, wenn jeder und jede diese Einstellung hat, dann passiert viel in der Kirche.»

 

Hier gibt es weitere Infos
Lust auf einen Beruf, der Sinn macht, die Arbeit mit Menschen in den Mittelpunkt stellt, vielseitig ist und viel Gestaltungsfreiraum bietet? Die Webseite www.chance-kirchenberufe.ch gibt Informationen zu 13 kirchlichen Berufen und darüber, was man mitbringen sollte, wie man in den Beruf einsteigt und was einen bei einer Arbeit für die Kirche erwartet.

Über diesen Link geht’s direkt zu den Kampagnen-Videos: www.chance-kirchenberufe.ch/video