Zu Besuch bei Selbsthilfe Luzern Obwalden Nidwalden

Isabel Portmann begrüsst mich an der Weggismattstrasse 9a in Luzern und beantwortet meine Fragen.

 

Was versteht man unter Selbsthilfe?

In den letzten Jahren hat sich der Begriff gemeinschaftliche Selbsthilfe durchgesetzt. Es gibt verschiedene Formen der Selbsthilfe. Das können regionale Gruppen sein, eine Vernetzung von Einzelpersonen oder Selbsthilfeangebote im Internet. Der gemeinsame Nenner ist: Es sind Menschen, die das gleiche Problem, die gleiche Lebenssituation oder das gleiche Anliegen haben und sich zusammenschliessen um sich auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen.

 

Wie finde ich die «richtige» Selbsthilfegruppe?
Zurzeit bestehen gegen 100 aktive Selbsthilfegruppen in der Region - von ADHS bis zu Zöliakie. Auch für Angehörige gibt es Gruppen.
Wir beraten Interessierte und schauen, welche Gruppe sich am besten eignet. Wir vermitteln dann den Kontakt zur Ansprechperson der Gruppe. Wenn noch andere Unterstützungsmöglichkeiten Sinn machen, vermitteln wir zusätzlich an die Fachstellen weiter.

 

Was ist unter Starthilfe zu verstehen?

Wenn es zum gewünschten Thema keine Gruppe gibt, helfen wir auf die Initiative von Privaten oder Organisationen beim Aufbau einer Neuen. Wir machen Werbung und die Vorgespräche. Wenn eine Gruppe von 6-8 Personen zustande kommt, begleiten wir die ersten Treffen. Es wird eine Vereinbarung erarbeitet, dabei geben wir Empfehlungen ab. Danach sind wir regelmässig in Kontakt mit der Ansprechperson und unterstützen bei Fragen oder Konflikten. Ansonsten funktionieren die Gruppen autonom.

 

Und wenn sich keine Selbsthilfegruppe bildet?

Wenn sich nach langer Zeit zu wenig Interessierte melden, kann das verschiedene Gründe haben. Wir haben eine schweizweite Vernetzungsliste, damit können wir auch zwei Einzelpersonen miteinander vermitteln. Das ist eine andere Form von Selbsthilfe.

 

Gibt es Highlights?

Zum Thema «verlassene Eltern» konnten wir schweizweit die erste Gruppe aufbauen. Initiantin war eine deutsche Frau, welche offen darüber sprach und bereit war, zwei Interviews zu geben. Darauf folgten immer mehr Medienberichte und wir hatten viele Anfragen von Betroffenen. Offenbar war ein Tabu gebrochen worden. Wir organisierten ein Treffen, zu dem Personen aus der ganzen Schweiz anreisten. Unter anderem eine über 80jährige Dame. Sie gestand, dass sie sich all die Jahre so geschämt habe. Nun aber sitze sie hier am Tisch und sehe, dass sie nicht die Einzige sei. Sie sei so dankbar, dies noch erleben zu dürfen. Nach ein paar Treffen, war sie ein anderer Mensch und brauchte die Treffen nicht mehr. Heute sind die Gruppen in der ganzen Schweiz verbreitet.

 

Aktuelles?

Wir möchten vermehrt auch jüngere Personen ansprechen, daher ist die Gruppe «junge Menschen mit seelischen Herausforderungen» im Aufbau. Wir sind auch daran, andere Kanäle wie Social Media zu aktivieren. Bei Interesse gerne melden!

 

Vielen Dank für das inspirierende Gespräch.

 

Gruppen im Aufbau:

http://www.selbsthilfeluzern.ch/shlon/de/Selbsthilfegruppen/Selbsthilfegruppen-im-Aufbau.html

Mehr Infos unter:
http://www.selbsthilfeluzern.ch/shlon/de.html

Neuen Kommentar schreiben

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!