Kirchenbank vor der Nase

Weil es mir wichtig ist, um Allerheiligen und Allerseelen Zeit zu haben für das Gebet und die Erinnerung an meine lieben Verstorbenen, plante ich einen Gottesdienst in meinem Heimatdorf zu besuchen. Da ich aber an diesem Tag mein 3-jähriges Grosskind hüten durfte, stellte ich mir die Frage, ob ich den Buben mitnehmen kann. In so eine richtige «Chile». Eucharistiefeier mit Chorgesang. Also dauert es wohl etwa eine Stunde. Ein paar Wochen vorher war der Kleine dabei an einer kurzen Sitzung, wo er für sein reges Wesen erstaunlich ruhig blieb. Irgendwie schien er sich sein eigenes Programm zu machen. Also war ich zuversichtlich und nahm ihn mit zu der Heiligen Messe. Wir haben uns vorsorglich weit hinten gesetzt, um beim Rausgehen kein Aufsehen zu erregen.

Und dann: es war eine wunderbare Stunde – ein richtiges Geschenk! Der kleine Junge war meist ruhig und hat zugehört. Natürlich nicht die ganze Zeit. Aber er schien sich erstaunlicherweise wohl zu fühlen. Die freundlichen und angenehmen Worte und Stimmen der Liturgen haben sicher dazu beigetragen. Genauso wie die lächelnden Blicke der Menschen um uns herum. Und irgendwie hat sich für ihn die Zeit auf eigene Weise gefüllt. Er durfte zwar seinen im Moment wichtigen Rucksack mit in die Kirche nehmen – aber nicht auspacken. Zwischendurch haben wir wichtige Infos geflüstert. Als er im Gesangbuch Liednoten sah, wollte er singen. Das haben wir dann ja auch getan, aber es waren natürlich nicht seine Lieder.  Doch die Klänge des Chors von der Empore runter haben ihn trotzdem irgendwie fasziniert. Als er auch hinknien wollte, hatte er den oberen Bankteil genau vor der Nase, das passte also nicht. Dafür hat der Kniebank genau die richtige Höhe zum Sitzen. Als ich für den Kommuniongang nach vorne ging, wollte er zuerst am Platz bleiben, kam aber dann doch mit. Und schon wieder etwas Neues: diese langen Reihen von Menschen, die stumm nach vorne schreiten … Ich hatte ihn darauf vorbereitet, dass er vom Seelsogrer ein Kreuzzeichen auf die Stirn bekommt – er hat es vorsichtig geschehen lassen. Gwundrig wollte er das Brot sehen, das ich bekommen hatte. Er hat es sich wohl anders vorgestellt …

Ich weiss nicht, was es genau war, vielleicht auch das Sugus, das ich ihm nach der Feier versprochen hatte. Auf jeden Fall wird mir der Allerheiligengottesdienst von diesem Jahr dank diesem kleinen Kind noch sehr lange gut in Erinnerung bleiben als einmaliges Erlebnis – für mich!

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