Nächtliches Licht

Im Dezember ist hier wie in Kolumbien zu diesem Titel der Kommentar überflüssig – jeder und jede hat eigene Gedanken und Gefühle dazu. In kolumbianischen Städten ist die grellfarbig blinkende Beleuchtung eine Selbstverständlichkeit, doch hat sie einen berührenden Gegenpol im ganzen Land. Besonders eindrücklich ist er in Popayan, in der Altstadt mit den weiss getünchten, dreigeschossigen Häusern in der Nacht vom 7. auf den 8. Dezember. In der frischen Abendluft schlendern seit dem Eindunkeln viele Menschen familien- und gruppenweise durch die Strassen, um die vor Fenster und Hauseingang gestellten Kerzen zu erleben. Es sind tatsächlich einfache schlichte Kerzen. Ein Windstoss kann sie löschen.
Auch kolumbianische Nächte haben Sehnsucht nach Stille und lebendigem Licht. Die farbenfrohen Feste mit Tanz um Weihnacht stehen im Kontrast zu den flackernden Lichtern, dem Staunen und Plaudern der Leute. Die Stimmung der Kerzen füllt die schmalen Gassen. Die nachts sonst gefährlichen Strassen bieten in dieser Nacht Geborgenheit.

 

Wer schenkt in dieser Nacht Geborgenheit?
Es ist Maria. Am Vorabend des Festes vom 8. Dezember vertrauen diese Menschen ihrer verehrten Madonna. Auch dieses Jahr, schreibt mir Anna, die Frau und Mutter aus «unserem» (= Pfarrei Bruder Klaus) Kinderprojekt Toñitos, sind Kerzen bereit gestellt.

Sind in Kolumbien nicht Manifestationen aktuell? Ja, sie sind. Die Botschaft der kleinen Lichter verändert nicht die Gesellschaft. Sie erhellt aber viele Gesichter, wärmt und stärkt die Herzen der konfliktmüden Jungen und Alten. Bei ihnen wie bei Anna schafft sie Zuversicht. Sie wird den Kindern in diesen Dezembertagen «übersetzt», wenn sie sich nach alter Tradition neun Tage lang vor der mit hundert Figürchen, samt Micky Maus und Dionosauriern, geschmückten Krippe versammeln und auch um Frieden beten.

 

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