Miteinander - Auseinander - Zueinander

(Foto: CC0; unsplash)

Seit ca. 25 Jahren lebe ich mit meiner Familie im Haus meiner Mutter. Es ist ein Dreifamilienhaus mit grossem Garten. Vor mehreren Jahren hat meine Mutter uns das Haus überschrieben. Wir haben meinen Bruder ausgezahlt und das Haus meiner Mutter lautet nun auf meinen Namen. Es ist so, das Haus, der Garten es bedeutet meiner 89-jährigen Mutter immer noch sehr viel. Meine Mutter ist eine Gärtnerstochter. Noch vor kurzem war sie täglich sicher 2 Stunden im Garten. Sie liebt die Pflanzen, die Erde, das Arbeiten im Garten.

Seit kurzem aber lassen ihre Kräfte nach. Das Treppensteigen bereitet ihr Mühe. Das Kochen auch. Für den Haushalt kommt alle 2 Wochen eine herzensgute Frau von der Spitex vorbei. Den Mahlzeiten Dienst haben wir wieder abbestellt. Das Essen hat immer den gleichen Geschmack, meint meine Mutter. Es ist die Langeweile und die Einsamkeit, welche ihr und mir zu schaffen machen. Ich arbeite, habe einige ehrenamtliche Aufgaben, welche mir Freude machen, pflege Freundschaften, verarbeite meinen Verlust meines lieben Mannes, besuche oft meine Schwiegermutter und bin mit meinem eigenen Familienleben immer wieder herausgefordert. Auch mir macht die Einsamkeit manchmal zu schaffen. Heute steht ein gemeinsamer Arzt Besuch vor uns. Auch dort, wird die Einsamkeit ein Thema sein.

Manchmal verstehe ich nicht. Manchmal habe ich ein schlechtes Gewissen. Manchmal bin ich wütend und manchmal auch ungerecht meiner Mutter gegenüber. Da werden drei sehr verschiedene Leben parallel zueinander oder auseinander gelebt. Meine 3 erwachsenen Kinder, mein Leben und das Leben meiner Mutter. Zur gleichen Zeit unter dem gleichen Haus werden so verschiedene Leben gelebt. Wird das Leben so unterschiedlich wahrgenommen. Das hat auch etwas extrem spannendes, fast humorvolles. Vielleicht wünsche ich mir dies ein wenig mehr für uns alle. Humor und Gelassenheit! Ein wenig mehr Vertrauen, dass alles gut kommt, alles sein darf. Ich bin am Üben. Und da muss ich meiner Mutter ein Kränzlein binden. Auch sie ist am Üben. Am sich Mühe geben. Möge das Vertrauen und der Humor uns alle da und dort berühren und uns immer wieder ein Zueinander schenken.

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