Die Entscheidung

Ich meine nicht die Entscheidung, was ich auf der Speisekarte bestelle. Nicht die Entscheidung, wohin ich in die Ferien verreise. Auch nicht die Entscheidung, ob ich meine Arbeitsstelle verändern soll. Altersheim Anmeldung für meine Mutter. Bei dieser Art von Entscheidung gibt es nur Ja oder Nein. Eine schwere Entscheidung. Eine schmerzvolle. Bei vielen anderen Entscheidungen kann ich aus verschiedenen Angeboten auswählen. Was es nicht immer einfacher macht. Dafür habe ich den Eindruck, ich kann mich frei entscheiden. Ich habe es unterschätzt, was es heisst, einen lieben Menschen im Alter zu begleiten. Zuzusehen, wie die Kräfte schwinden, wie der Wille abnimmt und wie die Verletzlichkeit zunimmt. Lange haben meine Mutter und ich uns den Ball gegenseitig zu geschoben. Meine Mutter meinte:" ich gehe ins Heim, es wird dir doch alles zu viel." Ich meinte darauf; für mich seien das Kochen und das Einkaufen nicht zu viel. Wenn sie mehr Abwechslung und Gemeinschaft brauche, dann solle sie sich fürs Altersheim anmelden. Aber da gibt es eben doch noch mehr Wünsche, Anliegen, Erwartungen - auf beiden Seiten. So sind wir am Abwägen, Verwerfen, einander Mut machen, fragend, suchend, betend … unterwegs. Es reift eine Entscheidung heran. Diese Art von Entscheidung braucht Zeit und Geduld, Liebe und unbedingte Ehrlichkeit. Ich freue mich an Entscheidungen, die weniger kompliziert sind. Erdbeereis oder doch lieber Schoggieis?

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