In Stoff gewebte Musik

In einem meiner letzten Beiträge habe ich über Upcycling geschrieben. Auf der Suche nach Ideen dazu bin ich auf die Künstlerin Ayumi Paul gestossen. Sie arbeitete bei einem ihrer Projekte mit der japanischen Boro-Technik und tauchte deswegen in meiner Suchanfrage auf. Neugierig klickte ich diesen Beitrag an und war fasziniert von einer Performance. Sie erzählt von Erinnerungen, Gefühlen und Beziehungen, die in einem Stück Stoff stecken können.

«Boro» bedeutet zusammenflicken und bezeichnet die Flickengewänder der armen japanischen Bevölkerung. Diese alte, heute kaum mehr benutzte Technik, um Kleidung herzustellen, wurde von ihr aufgegriffen. Sie bat über 60 Frauen um ein Stück Stoff, das in ihrem Leben eine besondere Rolle gespielt hat. Zu jedem Stoff kennt Paul die Geschichte und jedes einzelne Stück hat sie auf einen Boro-Kimono aufgenäht. In ihrer Performance steht die Musikerin in diesem Kimono in der National Gallary Singapore. Sie erzählt mit Worten und ihrer Geige von den Geschichten, die mit den Stoffstücken verbunden sind. Die Performance «We Are We» zeigt, dass wir immer im Bezug zu und mit anderen leben. Ayumi Paul sagt: «Das Kleid zeigt, wie viele Verbindungen und Ähnlichkeiten es zwischen den Geschichten von Frauen gibt, die räumlich und kulturell eigentlich sehr weit voneinander entfernt sind». Vielleicht ist es diese Verbundenheit, die auf mich so faszinierend wirkt. Und was will Nachhaltigkeit anderes, als einen verbindenden Umgang mit allem, was das Leben betrifft.
 
Video mit Ayumi Paul über die Performance «We Are We».

 

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Kommentare (1)

  • Rita Krieger
    Rita Krieger
    am 17.01.2019
    Die Boro-Technik hat in der Märchenwelt eine Verwandte, das Allerleirauh. Dort sind es die Pelz-Flecken jeden Tieres im Wald, die zusammen das gefährdete Mädchen schützen. Die gesammelten Frauen(Kleider)-Geschichten der Ayumi Paul sollen viele Menschen berühren.
    Mir gefällt diese Vorstellung.
    Danke Tanja