Mittel-Alter

Ich werde bald 57 Jahre alt. Ich fühle mich nicht alt. Jung aber definitiv auch nicht.

Vielleicht mittelalt? Irgendwie komme ich mir wie in einer Zwischenzeit vor.

 

Ich sitze im Zug Richtung Bern. Ich besuche meine älteste Tochter. Sie sei doch nicht mehr jung, sagt sie ein wenig melancholisch. Für mich ist sie jung, obwohl sie 29 Jahre alt wird. Voller Energie und Selbstbewusst: 100 % im Arbeitsalltag, Hochzeit planen, Ferien organisieren, Freundinnen trösten, liebenswürdig voller Hoffnung und Zukunftspläne. Da kommt mir mein Leben fast ein wenig farblos vor, ruhig, überschaubar. Wo sind meine Träume? Was hat mein Leben mit mir vor?

Zwischenzeit… früher haben mich solche Zeiten unzufrieden gemacht. Heute verunsichern mich solche Zeiten. Aber das Leben hat mich gelehrt, dass diese Zeiten wichtig sind. Ich will sie nicht abkürzen. Im Aushalten will ich dem Leben die Gelegenheit geben etwas Neues werden zu lassen. Die Natur macht es mir vor. Farben und Düfte verschwinden, doch sie sind nicht verloren.

Leise und langsam es werden lassen, wie der Frühling. Das Vertrauen, dass die Schöpfungskraft am Wirken ist, auch wenn ich noch nichts sehe und spüre.

Langsam fährt der Zug in Bern ein. Langsam denke ich und muss schmunzeln. Ich fühle mich gleich ein wenig hoffnungsvoller.

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