Entdecke den Kanton Luzern

Normalerweise bin ich als Vater heilfroh, wenn ich Tipps zu tollen Familienausflugsorten bekomme. «Mit Kindern den Kanton Luzern erkunden» heisst die Broschüre, die ich jüngst in der Hand hielt.
Sie enthält tolle Orte wie den Erlebnispark "Mooraculum" in Sörenberg oder die Pfahlbausiedlung in Wauwil. Die Broschüre wurde vom Kanton Luzern herausgegeben. Etwas machte mich stutzig: Reto Wyss, Bildungs- und Kulturdirektor schrieb das Editorial. Titel wie «Familienerlebnisse als Lernchance» und «Heimatkunde digital» kommen darin vor. Hä?

Als Primarlehrer geht mir ein Licht auf: Seit dem Bundesgerichtsentscheid im Dezember 2017 gilt ab 2019, dass obligatorische Veranstaltungen an Volksschulen nicht mehr von den Eltern bezahlt werden dürfen. Das heisst, der Kanton und vor allem die Gemeinden müssen Exkursionen und Schulreisen selber berappen. Einige Gemeinden haben zwar ihr Budget für Schulreisen erhöht, aber trotzdem bleibt unter dem Strich weniger Geld für Lehrausflüge zur Verfügung, dementsprechend unternehmen Luzerner Schulklassen weniger Exkursionen. Oder Schullager werden gekürzt oder gar gestrichen.

 

Tja, was tun? Wenn die Schule nicht mehr dafür aufkommen kann, könnten doch die Eltern in die Bresche springen! Das dachte wohl die Luzerner Regierung und lancierte eine Broschüre mit dem Titel «Mit Kindern den Kanton Luzern erkunden», die an der Volksschule breit gestreut wird.

 

Leider wird diese Broschüre in vielen Haushalten sogleich im Altpapier landen. Welche Eltern schauen sich diese Broschüre an und unternehmen tatsächlich einen Ausflug? Ich tippe auf bildungsnahe Eltern mit genügend grossem Budget an Geld und Zeit. Null Chancengleichheit.

Der Spar-Modus (bzw. Abbau-Modus) der Luzerner Regierung geht weiter. Ich komme ins Grübeln.
Welche Broschüren werden noch erscheinen?
Hier drei Vorschläge:

Die Broschüre «Verbrecher selber fangen und angemessen bestrafen» entlastet die schon arg dezimierte Luzerner Polizei.

 

Die Broschüre «Gesund älter werden und sich selber bis ins hohe Alter pflegen» trägt dazu bei, dass die Kosten der Alterspflege überschaubar bleiben.

Die Broschüre «Auch wenn’s mal weh tut: Immer schön auf die Zähne beissen und weiter arbeiten!» verursacht einen Rückgang der enormen Gesundheitskosten und hält die Wirtschaft in Schwung.

Ich bin gespannt, was als Nächstes kommt.
Es ist immer wieder spannend, den Kanton Luzern neu zu entdecken.

Neuen Kommentar schreiben

Kommentare (1)