Christliche Werte

 

Als Tochter einer ehemaligen CSP Kantonspolitikerin bin ich hellhörig, wenn Diskussionen über die Abschaffung des C – in der CVP – öffentlich diskutiert werden. So lange ist es nämlich nicht her, dass das C in der CVP als Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Mitteparteien ins Feld geführt wurde. Christlich zu sein scheint in der Gesellschaft ein Hindernis, bzw. ein zu vernachlässigendes Element zu werden. In der Zeitung lese ich dann, dass sich Parteipräsidenten der Kantonalparteien beeilen mitzuteilen, dass die Partei doch an den «Christlichen Werten» festhalten will, einfach das C aus dem Namen streichen will, weil das schliesslich nichts, damit zu tun habe, ob man regelmässig in den Gottesdienst gehe. Jungparteipräsidenten stören sich daran, dass man vermuten könnte, sie besuchten regelmässig den Gottesdienst.

Mich macht die ganze Diskussion sehr nachdenklich. Kann ich sie doch in die Kurzformel bringen

«Christliche Werte» - ja

«Christlicher Glaube» - lieber nicht.

Ich meine, christliche Werte ohne einen Bezug zu einer christlichen Glaubensgemeinschaft geht nicht. Per Definition sind christliche Werte: Wertvorstellungen die auf einen christlichen Bezug hin ausgebildet werden. Die Werte können im Rahmen der theologischen Ethik begründet werden und damit sind Forderungen verbunden, dass der christliche Glaube, die Grundlage für soziales Handeln und soziale Normen bilden sollen.

Christliche Werte ohne christlicher Glaube geht also nicht. Werte und Traditionen unterliegen einem Wandel. In unserer heutigen Zeit wird die individuelle Freiheit und die Entscheidungsfreiheit sehr hoch gewertet. Das finde ich richtig. Trotzdem sind wir soziale Wesen, die in eine Gemeinschaft eingebunden sind. Wenn «christliche Werte» wie zum Beispiel die Forderung: «was du nicht willst, was man dir tut, das füg auch keinem anderen zu» Konsens sind, die man beibehalten will, dann braucht es auch eine erwachsene Auseinandersetzung worin, diese Werte begründet sind. Ein individuelles Christentum geht nicht. Christlich glauben geht nur zusammen mit anderen, auch wenn man unterschiedlicher Meinung ist. Etwas mehr Glaubenswissen zu haben, schadet da sicher nicht. Dieses Wissen können sie sich über Bücher aneignen oder auch indem sie mit Vertreterinnen und Vertretern der Kirchen in Diskussionen und den Dialog treten. Ob das nach einem Gottesdienst am Sonntag, oder im Dialog auf diesen Blog geschieht, ist ihr freier Entscheid. Ich freue mich auf ihre Fragen und die daraus entstehenden Diskussionen.

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