Auf Besuch... in der Notwohnung

 

Heute betrete ich die Notwohnung statt mit dem Putzwedel, Seife und Schwamm mit Weihwasser, Kohle und Weihrauch. Diesmal soll dieser Raum auf spirituelle Weise gereinigt werden. Stephan Brändli, der Seelsorger von der Pfarrei Bruder Klaus, macht nämlich mit mir zusammen eine Haussegnung.

 

Hintergrund dieses Rituals war der Hinweis des letzten Benutzers der Wohnung, nennen wir ihn Herr Müller. Die sogenannte Notwohnung ist ein Angebot der Katholischen Kirche Kriens für Personen, welche kurzfristig eine Bleibe suchen. Während den maximal drei Monaten begleite ich diese Menschen wöchentlich bei ihrer Wohnungssuche und habe auch bei administrativen, sozialversicherungsrechtlichen oder persönlichen Fragen ein offenes Ohr. Die Nutzerinnen und Nutzer dieser Wohnung bringen ganz unterschiedliche Lebensgeschichten mit. Mal sind es Alleinstehende, mal Personen in Trennung, mal Alleinerziehende mit kleinen Kindern. Gemeinsam haben sie aber ihre akute Notsituation, die auch an der Seele nicht spurlos vorbeigeht. Ich gehe davon aus, dass nicht wenige hier Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Ohnmacht verspürt haben.

 

Und so kommen wir wieder auf Herrn Müller zu sprechen. Er machte mich darauf aufmerksam, dass er zwar sehr dankbar für dieses Obdach war. Aber gleichzeitig habe er sich da nicht wohlgefühlt. Es sei bedrückend gewesen. Meine Frage, ob seiner Meinung nach eine Haussegnung etwas Hilfreiches wäre, bejahte er sofort.

Gesagt, getan. So haben wir die Wohnung gereinigt, gesegnet und sie mit guten Wünschen und Gebeten für die zukünftige Person „gefüllt“. Und hoffen, dass auch Raum ist für positive Gedanken und Zuversicht entstehen kann.

 

Die Notwohnung ist nun bereit für morgen, wenn wieder die Schlüssel in neue Hände übergehen. Ich bin gespannt.

 

Mehr Infos:

https://www.kath-kriens.ch/angebote/notwohnung.html

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Kommentare (1)

  • Rita Krieger
    Rita Krieger
    am 11.10.2020
    Mich freut es, wenn im "Untergrund", im Wurzelbereich immer wieder Kraft getankt werden kann. Es ist im Vorübergehen belebend, wenn "dort unten" Leben zu spüren ist.