Wort zum Sonntag - Vertrauen

Ohne gegenseitiges Vertrauen geht gar nichts

 

Vor zwei Wochen habe ich in meinem Wort zum Sonntag das Thema «Vertrauen» (hier zum Reinschauen: https://www.srf.ch/play/tv/wort-zum-sonntag/video/vertrauen-als-schmiermittel-fuer-unser-zusammenleben?urn=urn:srf:video:c75e347a-762f-4bc1-a4ab-c3eb991a61f4 ). Mein Anliegen war es, deutlich zu machen, wie sehr wir für unser tägliches Zusammenleben auf ein gegenseitiges Vertrauen angewiesen sind und wie diese gesellschaftliche Ressource gerade in der Covid-Krise gefährdet ist.

 

Auf jeden Beitrag bekomme ich natürlich auch Reaktionen, meistens per Mail. Eine davon hat mich nachdenklich zurückgelassen. Eine Frau, die mein Anliegen teilt, schreibt in ihrer Mail: «Mit dem Vertrauen auf die katholische Kirche ist es ja so eine Sache (bin katholisch).»

 

Ich kann die Frau gut verstehen und auch objektiv betrachtet kann man sagen, dass sich unsere Kirche in einer fundamentalen Vertrauenskrise befindet. Die Missbrauchsfälle, Machtgebaren, intransparente Entscheidungen, Inkompetenz haben viel Vertrauen zerstört. Und zerstörtes Vertrauen ist nur sehr schwer wieder zurückzugewinnen. Ich erlebe das auch ganz konkret in der Seelsorge: wenn Eltern ihre Kinder nicht mehr taufen lassen oder Familien die Trauerfeiern für ihre Verstorbenen von Trauerrednern gestalten lassen, dann hat das sicher damit zu tun, dass die Menschen weit weg sind von der Kirche und ihrer Sprache und Ritualen (oder umgekehrt: wir von ihnen). Es hat aber sicher auch damit zu tun, dass man dieser Institution und ihren Vetreterinnen und Vertretern gar nicht mehr zutraut, etwas Relevantes oder Tröstliches in dieser Situation sagen zu können – ausser alten Floskeln. Wo dies dann gelingt, reagieren die Menschen dann fast erstaunt nach dem Motto «das hätten wir euch nicht zugetraut».

 

Um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen sehe ich nur zwei Wege: ein grosses Engagement für die Menschen, die Suche nach einer Sprache, die kraftvoll und berührend zugleich, die Bereitschaft, auf Menschen zuzugehen, ihnen zuzuhören, kurz: solide und harte Arbeit.

 

Und: Transparenz, kritische Selbstreflexion, die Möglichkeit, Vertreter der Kirche, die Vertrauen zerstören, zur Ordnung zu rufen oder auch aus ihren Ämtern zu entfernen.

 

Vertrauen ist fundamental – nicht nur für unsere Gesellschaft, sondern auch für uns als Kirche, wenn wir unserem Auftrag, das Evangelium zu leben und weiterzugeben, erfüllen wollen.

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