"Aus der Leitung" 2020 - Ein anspruchsvolles Jahr

Wir suchen mit den Menschen nach Quellen für ihr Leben

 

Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich hier einen Ausblick auf das Neue Jahr 2021 geschrieben: davon, dass wir 2019 eine Vision «Quellen der Kraft erfahren» erarbeitet haben und dass es nun gelte, diese Schritt für Schritt mit Energie und zugleich Gelassenheit umzusetzen…

Wir sind uns heute, am Beginn des neuen Jahres, alle bewusst: es kam so vieles ganz anders. Die Pandemie hat unsere Ziele und Planungen gründlich über den Haufen geworfen, hat manches von dem, was wir uns vorgenommen hatten, gegenstandslos gemacht und unsere Routinen in Frage gestellt. Es hat uns vor ganz neue Herausforderungen gestellt und zu Experimenten eingeladen (ein youtube-Kanal mit Video-Botschaften wurde eingerichtet; ein Hilfsprojekt mit der Stadt und dem SC Kriens auf die Beine gestellt; in der Osternacht wurde das Osterlicht hinausgetragen zu den Menschen, ein Weihnachts-Mobil wurde erfunden usw.). Nicht alle Ideen haben getragen, oft haben wir auch mit gutem Willen nur wenige Menschen erreicht. Aber trotz allem: ich habe mich sehr gefreut, zu erleben, mit welchem Engagement, mit welcher Flexibilität und Kreativität sich die Kolleginnen und Kollegen im Pastoralraum den Herausforderungen gestellt haben. Das macht mich sehr zuversichtlich für die Zukunft.

 

Die Pandemie beschleunigt Trends

Trotz und mit dieser Zuversicht gehe ich auch nachdenklich ins Neue Jahr. Denn die Pandemie hat die vorhandenen Schwächen unserer Kirche und unserer kirchlichen Strukturen zum Teil schonungslos offengelegt und Entwicklungen, die schon vorher sichtbar waren, noch einmal beschleunigt. Nur zwei Beispiele: Im vergangenen Jahr ist die Zahl jener Personen bzw. Familien, die für ihre verstorbenen Angehörigen keinerlei Gebet oder Gottesdienst mehr wünschen, massiv gestiegen. Offensichtlich trauen uns viele nicht mehr zu, Menschen im Angesicht des Todes gut zu begleiten. Und als zweites Beispiel: die Zahl der Kirchenaustritte hat auf hohem Niveau noch einmal zugenommen und zunehmend treten auch ältere Personen aus der Kirche aus. Das führt dazu, dass wir auch als Kirchgemeinde über Sparmassnahmen nachdenken müssen und werden.

 

«Quellen der Kraft»

Auf diesem Hintergrund finde ich die Formulierung unserer Vision als Kirche in Kriens umso passender und motivierender. Gerade in der Pandemie sind viele Menschen auf Kraftquellen angewiesen. Von Pfarreiangehörigen habe ich sehr berührende Beispiele erfahren, wie sie im Frühjahr – als wegen des Lockdowns gar keine Gottesdienste gefeiert werden konnten – ganz bewusst persönliche Formen des Betens gepflegt haben. Sie konnten sich selbst solche Quellen erschliessen. Vielleicht ist das eine der Lektionen, die uns die Pandemie lehrt: dass wir mit grossem Respekt und Sorgfalt auf das hören, was die Menschen heute schon trägt. Als Kirche haben wir nicht einfach einen sicheren Zugang zu diesen Quellen, sondern wir müssen sie mit den Menschen von heute suchen. Denn es gibt diese Quellen und Menschen brauchen sie. Das nehme ich mit ins neue Jahr.

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