Von Freuden und Leiden

(Bild: Vidar Nordli-Mathisen; unsplash.com)

Ich staune immer wieder, wo unser Pfarreiblatt überall gelesen wird. So hat es mich kürzlich sehr überrascht, als eine Ansichtskarte aus dem «fernen Osten» – sprich: dem Appenzellerland! – in meinem Postfach lag. Überhaupt wieder einmal eine Ansichtskarte zu bekommen, hat mich gefreut, noch mehr aber, was alles darauf zu sehen war und was darauf stand. Da hat sich jemand die Mühe genommen, die Karte mit Schmetterlingsstickern und einem Blumenbild zu verzieren. Auf der Vorderseite ist ein modernes Ölgemälde zu sehen: Ein Mann und eine Frau, gekleidet im 1950er-Jahre-Stil, stehen leicht erhöht über einem idyllischen Bergsee und blicken hinüber zum anderen Ufer. Obwohl es Wolken am Himmel hat, scheint die Sonne zu scheinen, denn das Paar wirft einen langen Schatten. Nie wäre ich darauf gekommen, dass die Karte aus einem Kloster stammt. Schon gar nicht aus einem Kloster mit der Bezeichnung «Leiden Christi». Die Karte übermittelt mir den Gruss einer Ordensfrau, die sich im Namen ihrer Schwesterngemeinschaft für meinen fasnächtlichen Beitrag im Krienser Februar-Pfarreiblatt bedankt. Sofort griff ich zum Telefonhörer, weil ich mich meinerseits auch bedanken wollte. Die Schwester, die meinen Anruf entgegennahm, war erwartungsgemäss nicht meine «Zielperson», aber interessanterweise wusste die Stimme am anderen Ende der Leitung sofort, wer ich war, als ich meinen Namen nannte. So rief sie schnell ihre Mitschwester, die die Karte geschrieben hatte. Diese freute sich ihrerseits sehr über meinen Anruf und erklärte, sie sei eine gebürtige Krienserin, seit über fünfzig Jahren im Kloster und sie lese das Pfarreiblatt immer mit grossem Interesse. An meinen fasnächtlichen Versen hätten alle im Kloster «viel Spass» gehabt, zumal die Fasnacht auch bei ihnen regelmässig und zünftig gefeiert werde. Die Frage, wie und ob sich dies denn mit den «Leiden Christi» vereinbaren liesse, lag mir auf der Zunge, doch ich habe es nicht gewagt, so dreist zu werden. Vielmehr wurde mir im herzlichen Austausch mit der Schwester bewusst, wie sehr uns doch Menschen immer wieder überraschen können, von denen wir aufgrund ihrer Lebensform oder anderer Äusserlichkeiten zu wissen meinen, wie sie sind oder sein müssten.

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Kommentare (2)

  • Michaela Zurfluh Merkle
    Michaela Zurfluh Merkle
    am 05.03.2021
    Lieber Thomas

    was für ein schöner Blogbeitrag und ein schöner Schluss. Die Bilder, die auch ich schnell von anderen Menschen mache... da nehme ich mich auch immer mal wieder "a dr Nasä".
  • Beatrice Durot
    Beatrice Durot
    am 10.03.2021
    Lieber Thomas,

    mit Freude habe ich deinen Bloogbeitrag Beitrag gelesen! Ich habe die Fasnacht auch sehr vermisst, als angefressene Fasnächtlerin. Ja wir sind alle verbunden das macht Mut und gibt Zuversicht.