Monumental

(Bild: vidalia_11; Visualhunt.com)

Von Karfreitag bis Ostermontag sind auf verschiedenen Fernsehkanälen die aufwändig gedrehten Bibel- und Jesus-Filme aus den 1950er- und 1960er-Jahren zu sehen, die für mich seit meiner Kindheit zu Ostern gehören. Natürlich schaue ich mir inzwischen diese alten «Monumental-Schinken», wie man sie auch zu nennen pflegt, mit differenzierterem Blick an als noch in jüngeren Jahren. Dennoch bin ich immer wieder fasziniert von «Ben Hur», «Quo vadis» oder «Das Gewand». Tatsächlich sind die Dimensionen dieser Kino-Produktionen in jeglicher Hinsicht monumental: Das Aufgebot an Statistinnen und Statisten, der ganze Kulissenbau, Kostüme, unzählige Drehtage, all das könnte und würde heute wohl niemand mehr bezahlen. Die Filme sind vor allem auch Zeugnisse der Blütezeit der amerikanischen Filmindustrie, die mit der ganz grossen Kelle angerichtet und mit viel Pathos in Szene gesetzt hat. So betrachtet widerspiegeln die Produktionen auch einen gewissen Zeitgeist, der ja bekanntlich vom Wandel geprägt ist. Die Vorstellungen darüber, was ein Jesus- oder Bibel-Film darstellen oder bewirken kann, haben sich deutlich verschoben. Mehr noch: Es ist sehr selten geworden, dass der «Stoff» überhaupt noch cineastisch aufgegriffen wird. Umso bemerkenswerter ist deshalb der Jesus-Film des Schweizer Regisseurs Milo Rau, dessen Aufmachung und Inszenierung alles andere als «monumental» daherkommt. Die Art und Weise jedoch, wie das Thema der biblischen Botschaft in «Das Neue Evangelium» aktualisiert wird, verdient meines Erachtens dieses Prädikat allemal, ganz gemäss Definition des Duden-Bedeutungswörterbuches: «in grossen Dimensionen gehalten und daher beeindruckend».

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