alter Mist

(Foto: flickr_j.blechert)

Die Erkenntnis, dass uns alte Prägungen bis ins Heute beeinflussen, ist nichts Neues. So hatten wir vielleicht eine Mutter, die sehr streng war und uns ihre Anerkennung und Liebe nicht zeigen konnte. Oder wir hatten einen Vater, der selten anwesend war. Solche Prägungen bewirken, dass wir bereits in der Kindheit Verhaltensweisen entwickeln, die uns schützen, Zuwendung oder Anerkennung verschaffen; wie zum Beispiel übermässiger Perfektionismus, ein starkes Kontrollbedürfnis, grosse Anpassungsfähigkeit oder Rebellion.

 

Aktuelle Situationen, zum Beispiel die Nichtbeachtung durch einen Vorgesetzten, triggern das in der Vergangenheit erlebte. Auf Trigger reagieren wir emotional und oft mit dem Verhalten des «Kind-Ichs». In dem Moment sind wir nicht frei in der Entscheidung «es tuet mit eim».

Solche Trigger nenne ich «alten Mist». Jeder Mensch hat einen solchen Misthaufen. Was tun damit?

 

Den Mist erkennen

Oft ist es einfacher, den Misthaufen bei den anderen zu erkennen. Der eigene ist manchmal einfach zu nah. Trotzdem um innerlich freier zu werden, ist eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Mist hilfreich. Mit der Erkenntnis, dass eigene und andere Misthaufen zum Leben gehören, erhöht sich auch die Toleranz sich selber und anderen gegenüber.

 

Der Wille zur Lösung

Gut nun habe ich den Misthaufen erkannt. Vielleicht weiss ich auch, weshalb ich ihn habe und wer ihn mitverursacht hat. Den Mitverursachern zu verzeihen, hilft «den Mist» loszulassen und damit nicht mehr Opfer der Umstände, der Vergangenheit zu sein. Dies bedeutet nicht gutzuheissen, was uns angetan wurde! Der Anspruch «meinen Schuldigern» zu verzeihen ist ein hoher. Halten sich die positiven und negativen Prägungen durch Eltern oder Kontaktpersonen etwa die Waage, ist es einfacher. Hat jemand massiven Missbrauch erlebt, ist es fast nicht möglich.

 

Hilfe holen

Eventuell braucht es die Hilfe einer Fachperson oder/und einer nahestehenden Person, die uns durch den herausfordernden Prozess begleitet. Sei es beim Erkennen, Akzeptieren, Klagen, Entscheiden und neuen Verhaltensweisen auszuprobieren….

 

Und Gott?

Der Glaube, das Vertrauen, dass wir uns Gott mit all dem, was uns belastet und plagt anvertrauen können und dabei mit bedingungsloser Liebe rechnen können, hat etwas Tröstliches. Diese Liebe ermöglicht Heilung und verwandelt Mist in Dünger.

 

Claudia Fischer

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