Ein ganz besonderer Maikäfer

(Bild: Annie Spratt; unsplash.com)

Es war Liebe auf den ersten Blick. Ich habe ihn gesehen und wusste nicht, wie mir geschah. Mit dem Ersparten, das ich mir in den ersten Jahren meines jungen Lehrer-Daseins auf die Seite gelegt hatte, habe ich ihn dann gekauft: den savannenbeigen VW Käfer aus dem Jahr 1967. Und ich bin mit ihm herumgekurvt, ausgiebig und mit grossem Vergnügen. Täglich habe ihn für den Arbeitsweg gebraucht – auch im Winter. Aber das hat ihm nicht gut getan, denn er war damals schon fast dreissig Jahre alt. Das Salz auf der Strasse frass sich so schnell in die Karosserie, dass man fast zuschauen konnte, wie der Rost sich ausbreitete. So habe ich den Käfer schweren Herzens wieder hergeben müssen, nach nur knapp zwei Jahren. Das war 1996. Seither bin ich nie mehr Käfer gefahren. Doch geblieben ist die Liebe zu diesem kultigen Fahrzeug, das Generationen von Menschen geprägt hat. Dann stand vor wenigen Wochen ein runder Geburtstag an, den auch ich wegen Corona nicht so feiern konnte, wie ich es mir eigentlich gewünscht habe. Und trotzdem wurde es wohl mein schönster Geburtstag, den ich bisher erleben durfte: Meine Frau fuhr nämlich am besagten Tag mit einem VW Käfer Cabriolet vor, das sie extra für mich gemietet hat. Ich durfte wieder einmal einen ganzen Tag lang mit einem Käfer herumkurven und dabei so viele schöne Überraschungen erleben, dass ich es kaum fassen konnte. Und dabei blieb es nicht. Nur drei Tage nach meinem Geburtstag entdeckten wir auf einem Spaziergang in einer offenen Garage nicht weit von unserem Wohnort einen savannenbeigen VW Käfer, der mir unheimlich bekannt vorkam. Und tatsächlich, es ist kaum zu glauben: Er war es – «mein» Käfer! All die Jahre hat er ganz in der Nähe verbracht und wurde vom neuen Besitzer gehegt und gepflegt, so dass vom Rost nichts mehr zu sehen ist und der Lack in neuer Frische glänzt. Ja, der Käfer sieht wirklich toll aus – ein toller Käfer (!) – und ist inzwischen natürlich ein richtiger Oldtimer mit fast 54 Jahren. Seit diesem «Wiedersehen» bin ich ganz durcheinander und mein Käfer-Feuer ist wieder voll ausgebrochen. So viele Fügungen und Zufälle auf einmal kann es doch gar nicht geben! Wie soll ich das deuten? Ein Wink des Schicksals? Wie selten zuvor wünsche ich mir auf das diesjährige Pfingstfest hin die Gaben des Heiligen Geistes, vor allem jene der Einsicht, des Rates und der Erkenntnis. Veni Sancte Spiritus!

Neuen Kommentar schreiben

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!