Allein(s)?

Foto: flickr_Ben Tubby

Im letzten Blog (ein Herz und eine Seele mit sich selber) schrieb ich von den vielen «Teilen», die jeder in sich trägt und dem inneren Einssein. Wir sind aber auch in Verbindung und in Spannungsfelder mit dem Aussen, mit anderen Menschen. In vielen Religionen ist die Einheit, das Einssein mit Gott und der Schöpfung ein wichtiger spiritueller Faktor.

Was ich anderen antue, tue ich in diesem Sinne auch Gott an. Was ich der Schöpfung, der Natur antue, hat demzufolge auch eine Wechselwirkung auf mich selber (dazu mein Artikel im folgendem Pfarreiblatt von September).

 

Unser körperliches Ichsein ermöglicht uns eine begrenzte Sichtweise auf die Welt und das Ganze. Würde ich mit dem grossen Ganzen verschmelzen, wo bliebe dann mein Ich? Wo der eigene Wille und meine Bedürfnisse? Es gibt Menschen, die suchen diese Verschmelzung, dieses Alleinssein und es gibt Menschen, die konzentrieren sich mehr auf ihren eigenen Willen. Die meisten «pendeln» irgendwo dazwischen.

 

Die Kunst ist, so finde ich, beides zu integrieren. Mein Ichsein zu leben und spüren mit all meinen Stärken und Schwächen. Und mich zu öffnen und zu verbinden mit dieser Schöpferkraft in mir und allem um mich herum.

 

Im menschlichen Zusammensein

bedeutet dies, den anderen zu «sehen und zu hören». Es bedeutet aber auch, bei sich zu sein, sich abzugrenzen und ab und zu «nein» zu sagen. Dieses bei sich sein und auf sich konzentrieren hilft wiederum in der Begegnung mit anderen Menschen.

 

Ein Beispiel: in Beratungssituationen kann es vorkommen, dass mein Gegenüber aggressiv wird oder sehr emotional. Wenn ich mich nicht «abgrenze» passiert es schnell, dass mich diese Emotion «ansteckt». Ich werde selbst wütend oder traurig. In diesem Moment hilft es sehr, wenn ich mich auf meinen Körper (mein Ichsein) konzentriere, tief einatme und den Boden unter meinen Füssen spüre. Ich versuche so, in eine innere Ruhe zu kommen. Gleichzeitig bin ich präsent im Hier und Jetzt. Die innere Ruhe und gleichzeitige Wachheit hilft mir und meinem Gegenüber. Oft beruhigt es die Situation.

Neuen Kommentar schreiben

Kommentare (0)

Keine Kommentare gefunden!