Aus der Leitung - Synodialer Weg

Das Plakat kennen Sie wohl. Papst Franziskus hat weltweit die Katholikinnen und Katholiken eingeladen, sich an einem synodalen Weg zu beteiligen. Er und die Bischöfe wollen auf die Anliegen der Menschen hören bzw. bitten sie um ihre Ansichten zu Fragen, die die Zukunft der Kirche betreffen. Die Bistümer der Deutschschweiz haben dazu eine gemeinsame Plattform geschaffen mit dem Titel “Wir sind ganz Ohr”. Dazu gehört auch das Plakat.

 

Ich gebe zu: Ich bin hin und her gerissen. Auf der einen Seite bin ich kritisch. Die Fragen, die der Papst in dem vorbereitenden Dokument stellt, lassen alle strukturellen Probleme und auch die “heissen Eisen” unserer Kirche bewusst aus.  Als ich mit Interessierten über die Fragen gesprochen habe, waren diese zunächst konsterniert: “Was soll das? Warum dürfen wir das, was uns am Herzen liegt (die Frauenfrage, das Zölibat usw.), nicht einmal einbringen? Ist man in Rom wirklich so naiv zu glauben, dass es ohne strukturelle Veränderungen in unserer Kirche einfach so weitergehen kann?!” Oder will man eben gar keine Veränderungen?

 

Skeptisch macht mich auch, wie es mit den Ergebnissen weitergehen soll, die an der Basis erarbeitet werden. In vier Schritten werden diese an eine Bischofssynode im Herbst 2023 weitergegeben: in all diesen Schritten bleiben die Bischöfe unter sich, sind keine Laien an den Beratungen beteiligt. Wie soll sich etwas an der klerikalen Verengung unserer Kirche ändern, die ja Papst Franziskus selber so oft beklagt, wenn nur Kleriker miteinander sprechen?

 

Das ist die eine Seite: die andere ist die, dass viele der Fragen, die der Papst stellt, in meinen Augen sehr wichtig und auch in gutem Sinne provokativ sind – auch hier für uns in Kriens! Wenn gefragt, ob und wie die Perspektive von Menschen am Rand in unser Handeln als Kirche hier in Kriens einfliesst, dann bringt mich das sehr zum Nachdenken? Oder wenn gefragt wird, wen wir meinen, wenn wir von “Kirche” in Kriens sprechen? Oder wie weit unser Planen und Handeln immer auf einer spirituellen Haltung beruht, auf der Frage, wie weit wir uns vom Evangelium inspirieren lassen. Oder die ebenso schlichte wie zentrale Frage, wie wir mit Konflikten umgehen. All diese Fragen bleiben aktuell und wichtig über den synodalen Weg hinaus. Und in all diesen Fragen – so meine ich - spürt man etwas von der spirituellen Tiefe und Weite dieses Papstes, ahnt man, wohin er diese Kirche führen will. Das wird aktuell bleiben – ganz unabhängig von den Ergebnissen 2023!

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